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Stand: 2014-09-01, 12:52:42

Musikalisches

Engel oder Teufel

Das aktuelle Programm der Götz-Alsmann-Band

Engel oder Teufel (Foto 1)

Foto: Brita

Ich freue mich, die Götz Alsmann Band kommt mit ihrem Programm "Engel oder Teufel" nach Berlin. Für mich ist die Frage des Programmtitels schon im Vorfeld geklärt: Es müssen Engel sein, denn die Herren sind auf Reisen und es ist wunderschönes Wetter an diesem ersten Maiwochenende. Der Admiralspalast in der Friedrichstraße ist voll mit erwartungsfrohen Menschen, die meisten haben in sich in Schale geworfen.

Auch bei diesem Programm kommen zuerst die musikalischen Begleiter von Götz auf die Bühne und Markus kündigt den "Dr. Mabuse des deutschen Jazzschlagers - Götz Alsmann" an. Die Besetzung der Götz Alsmann Band hat sich nicht geändert. Die Instrumente werden perfekt beherrscht von Markus Paßlick (Percussion, Vogelstimmen), Altfrid Maria Sicking (Vibraphon, Marimba, Trompete), Michael Müller (Bass) und Rudi Marhold (Schlagzeug).

Der Abend beginnt mit "Große Momente", der neuen, deutschen Version vom Titel "I Should Have Stayed Home", welchen Götz vor langer Zeit schrieb. Erstmals wurde er 1988 auf der LP "Twelve To Six" veröffentlicht, er ist jedoch auch auf der CD "For Collectors" zu finden. Markus hat in diesem Stück ein kleines Congasolo und setzt die, für mich immer wieder faszinierende, Fingerschiebetechnik ein. Nach einer kurzen Begrüßung von Götz spielt die Band den Titelsong "Engel oder Teufel" mit leicht stampfendem Rhythmus, bei dem Altfrid zur Trompete greift, was er im Laufe des Abends noch häufiger tun wird. Anschließend nimmt Herr Alsmann das Publikum sofort mit seinem Geständnis ein, dass er Sehnsucht nach Berlin gehabt habe. Wir sind froh, dass ja nun alles gut ist, doch Götz hat seine Selbstfindung zwischen Engel oder Teufel noch nicht abgeschlossen. Wie praktisch, dass wir jetzt zwei Stunden Zeit haben, um es gemeinsam herauszufinden. Nun stellt die Band die Bausteine eines jeden Songs vor. In "Rhythmus, Text und Melodie" gibt es einen schönen Schlagzeugpart auf den Toms und furioses Percussionsende. Es folgt mit "Eine unter Millionen" eine ruhige, sehnsuchtsvolle Nummer. Markus bleibt locker in den Knien und noch lockerer in den Armen, wenn er erst einen und später sogar zwei Shaker dazu schwingt. Das nächste, fast hypnotische Stück "Mein Hauptgewinn" beginnt mit sanften Klängen am Piano und gewinnt mit den gefühlvollen Soli von Altfrid und Götz.

Engel oder Teufel (Foto 3)

Foto: Brita

Wie mag wohl die Hölle aussehen? Da Götz Alsmann der König des deutschen Jazzschlagers ist, hat ihn insbesondere die Hölle für Jazzmusiker interessiert. Das Bild, welches Götz uns verbal zeichnet, hat wirklich ein gruseliges Ende. Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich die Band vorgestellt, die natürlich wieder vom (Ton-)Meister der Regler Helmut Philpps unterstützt wird. Dass Götz ganz viele Frauen(namen) kennt, beweist er in der mitreißenden Nummer "Ich sing für Gertrud", bei der Markus für die richtigen Knalleffekte sogt. Der anschließende "Glückswalzer" ist ein altes Liebeslied von Fritz Wunderlich. Götz hat aus dem Walzer allerdings einen Cha-Cha gemacht. Hier startet Rudi mit einer Guiro und Markus steigt mit den Congas ein. Seit "Tabu" kennen und lieben wir bereits "Weit weg von hier", den flotten Fernwehsong.

Ausführlich lässt uns Herr Alsmann an seinen Wild-West-Erfahrungen teilhaben. Von vier Pistolenschüssen eingeleitet folgen die "Geisterreiter", eine tolle Coverversion vom Klassiker "Ghostriders In The Sky". Markus stellt hier seine Fingerfertigkeit auf den Bongos eindrucksvoll unter Beweis, ebenso sein Talent für den Backroundgesang, wenn der zusammen mit Altfrid und Rudi den Titel mit "Yippieh yah yeh" untermalt. Auf dem Tonträger zu diesem Programm, wurde für dieses Stück übrigens Bela B. von der Band Die Ärzte verpflichtet. Jetzt steigen wir jedoch erst einmal wieder vom Sattel. Ein epochaler Beginn und die Ravelsche Boleroanmutung durch Rudi am Schlagzeug prägen den Titel "Sing Nachtigall sing". Markus lässt dabei Effektbecken scheppern und Altfrid die Röhrenglocken klingen. Nach einem Crescendo am Piano beendet Markus das Stück mit seinem Gong. Damit entschwinden die Musiker unter großem Applaus von der Bühne und entlassen ihr Publikum in den lauen Frühlingsabend vor dem Admiralspalast zur Pause und zum Plaudern bei einem Glas Wein.

Engel oder Teufel (Foto 5)

Foto: Brita

Nein, Götz kommt nach der Pause nicht mit seiner Ukulele allein zurück. Vielmehr marschiert die gesamte Band, angeführt von Markus Paßlick und Rudi Marhold, auf die Bühne. Markus hat sich eine brasilianische Surdo und Rudi eine Snare umgeschnallt. Sie bleiben vorn auf der Bühne und begleiten dort im Marschrhythmus das fröhliche Stück "Feiertag", in welchem auch wieder Altfrids Trompete zum Einsatz kommt. Es folgt ein alter Klassiker der Surfmusik: "Misirlou", der durch den Film "Pulp fiction" weltberühmt wurde. Eigentlich ist es jedoch ein altes griechisches Lied. Es wurde 1927 zum ersten Mal öffentlich gespielt von der Michalis Patrinos Rebetiko Band in Athen. Heute erleben wir den Titel in einem ganz neuen Gewand. Markus hat sich eine Darbouka zwischen die Knie geklemmt und verleiht ihm damit eine orientalische Note. Götz spielt die Melodie auf dem Toy Piano, und Altfrid setzt mit den Röhrenglocken Akzente. Durch den Percussionsrhythmus von Markus getragen, wechselt Götz im Song vom Klavier zum Akkordeon. Grandios! Sollte Surfaltmeister Dick Dale den Song jemals hören, er wäre sicher begeistert. Der Rumba-Bolero "Hätt' ich nur dich" wird vom Markus mit der Udu begleitet. Rudi schüttelt den Shaker, Michael massiert mit dem Bass sanft das Zwerchfell und Götz und Altfrid verzaubern uns mit ihren Soli.

Nun kommt der Auftritt von Markus Paßlick, der auf seinen weiten Reisen durch das Internet ein großer Instrumenten- und Geräuschesammler geworden ist. Er stellt uns die "Ochtruper Nachtigall" (eine Vogelpfeife) vor, an deren Beispiel er die Evolution in Ochtrup erklärt. Außerdem bringt er die ornithologisch korrekte Fassung der Vogelfängerarie aus Mozarts "Zauberflöte" zu Gehör. Insbesondere die auftretende Teichralle und der Schwarm Stare begeistern das Publikum. Der Schneemann tauchte schon öfter in Texten der Götz Alsmann Band auf, so auch beim Stück "Die Sonne schien im Januar". In "Meine Süße" zeigt sich Götz von seiner gefühlvoll romantischen Seite. Altfrid ist (auch) an der Trompete und Markus schüttelnd und rasselnd im Einsatz. Anschließend zitiert Götz "Schenk deiner Frau mal wieder rote Rosen", um uns gleich darauf vom "Geschenkumtausch" zu berichten. Hier hat er die erste Textzeile der Nummer "Der Weihnachtsumtausch" von der Weihnachts-CD mit der WDR-Big-Band kurzerhand umgetextet und damit den Titel jahreszeitenunabhängig gemacht. Markus bringt den Rhythmus an Congas und Bongos in Schwung, Altfrid und Götz brillieren in ihren Soloparts. Mit "Die Liebespolizei" folgt ein Cha-Cha, der für mich irgendwie witzig vom Ende einer Beziehung erzählt. Nun steht leider schon der letzte Titel des offiziellen Programms an. In der Ansage zu "Wie lautet Ihr Name", nimmt uns Götz sehr bildreich mit nach Weimar zum alten Goethe. Wir hören eine schmissige Up-Tempo-Nummer mit einem fröhlichen Dubidu im Backround.

Das Publikum fordert begeistert eine Zugabe und bekommt sie auch. Aha, jetzt kommt Herr Alsmann allein mit der Ukulele auf die Bühne. "Bonsoire Madam" und "Dorothé" werden grinsend und augenzwinkernd von ihm vorgetragen. Die gesamte Band lässt anschließend Udo Jürgens erblassen mit ihrer Version von "Siebzehn Jahr, blondes Haar", die erstmals bei "Gestatten Alsmann" zu hören war. In der zweiten Zugabe verabschiedet sich die Götz Alsmann Band dann leider endgültig mit "Dosvedanje", einem Titel vom Album "Kuss".

Ein schöner Abend! Die Götz Alsmann Band entlässt ein bes(ch)wingtes Publikum in die Nacht.